Sonntag, 20. August 2017

Pour les faunesses et les tomates


*Wer wilde Sachen machen will, muß ein ruhiges Leben führen* sagt Pippilotta Rist, die Schweizer Videokünstlerin und die einzige Videokünstlerin, die je meine Aufmerksamkeit auf sich lenken konnte!

Und so widme ich diesen Post meinem Ronja-Räubertochter-Leben, allen wilden Frauen und den Tomaten. Tja, und schön blöd, wer nicht ruhig-wild genug ist, jetzt für den Winter vorzusorgen:


Und sagt nachher nicht, ich hätte euch nicht noch rechtzeitig erinnert... 

 
Zusätzlich trockne ich immer auch ein paar Tomaten und lege sie in Öl ein. Außerdem confiere ich Kirschtomaten, die ich portionsweise einfriere.

Sollte mir zu fad sein und ich zuviele Tomate übrig haben, dann stelle ich obendrein  weißen Tomatensaft her, den ich ebenfalls einfriere.

Naja, und Tomate pur und mit Kräutern wecke ich ja sowieso ein...

Freitag, 18. August 2017

Phasen: Roggen-Einkorn mit Chia & Mohn

Was tritt nicht alles als Phase in Erscheinung?! Ein Lied, das man über Tage hoch und runter hört, der Lieblingswitz von Kindern, der in Dauerschleife allen anderen Nerven plättet, das Lieblings-T-Shirt, nach dem man einen Sommer lang jeden Morgen stetig greift, oder meine momentane Anhänglichkeit zu Chia, den (das?) ich gerade in jeden Brotteig werfen könnte. 

In der homöopathischen Anamnese ist (sollte) das einer der Hauptaugenmerke ausmachen: geht es um eine akute oder eine chronische Geschichte. Akut - also als Phase - verzeiht das Leben erstaunlich - ja, riesig -  viel. Sowohl körperlich wie geistig (darin unterscheidet die Homöopathie ja aus ihrem grundsätzlichen Denksystem heraus). Man kann durchaus ein Weilchen Kette rauchen, regelmäßig zur Flasche greifen, die Nächte zum Tag machen, sich von Burger und Pommes ernähren uswusf: Körper und Geist regenerieren wieder. Fatal allerdings wird es, wenn schlechte Sitte zur Gewohnheit wird, sprich chronisch. Oh, wie erzählt die griechische Mythe, dann frißt Kronos seine eigenen Kinder. Ihr kennt das alte Sprichwort aus dem Talmud: *Achte auf deine Gedanken...uswusf*. Genau das ist der Stoff, aus dem unheilbare Krankheiten entstehen.

Wie lange meine Begeisterung für Chia noch anhält? Keine Ahnung. Und mir auch völlig Jacke wie Hose, ob *Chia* nun von irgendjemanden als Superfood -  das doofe Wort - klassifiziert wird oder nicht. Fakt ist: Chia ist mir dienlich.

Seit einigen Broten habe ich für mich entdeckt, dass ein Chia-Quellstück dem Brot eine bessere Frischhalte-Qualität verleiht und den Brotteig auflockert. Zwei super Eigenschaften. Gerade letzteres war einer der Hauptgründe, wieso ich nicht so gerne mit Einkorn gebacken habe. Sehr, sehr gerne als Anteil in Quiches- und Tarteböden - den Geschmack fand ich von Anfang an einnehmend - aber die Brote wurden mir doch leider schnell kompakt. Nun, seht euch das Foto an: von Wackerstein kann keine Rede sein. Ein tolles Brot, das ich direkt  zwei Mal hintereinander gebacken habe!
Zutaten - 2 Brote für 750g-Kastenformen:

Sauerteig:
150g Roggen-Vollkorn
30g Roggen-ASG (aufgefrischt)
150g Wasser

150g Einkorn-Vollkorn
30g Weizen-ASG (aufgefrischt)
150g Wasser

Quellstück:
30g Chia-Samen
100g Wasser

Brühstück:
50g Einkorn-Vollkorn
30g Altbrot
170g Wasser, siedend

Hauptteig:
Roggen-Sauerteig
Einkorn-Sauerteig
Brühstück
Quellstück
200g Roggen-Vollkorn
150g Einkorn-Vollkorn
15g Salz
30g Mohn
180-200g Wasser (m: 200g)

Zubereitung:

Die beiden Sauerteige am Vortag anrühren und 12-16 Stunden bei 20-22°C reifen lassen. Ebenso das Brühstück am Vortag ansetzen, sowie das Quellstück, beide (das Brühstück nachdem es abgekühlt ist) abdecken und in den Kühlschrank stellen

Am Backtag alle Zutaten außer in die Schüssel geben und ca. 12min langsam kneten lassen.

Teigruhe: 60 min

Währenddessen die Formen buttern. Mit Hilfe eines Löffels den Teig auf die zwei Kastenformen verteilen, mit Wasser die Oberfläche abstreichen (wer mag, bestreut mit Mohn) und ca. 2 Stunden im Warmen abgedeckt gehen lassen

Nochmals mit Wasser benetzen, die Brote stippen und bei 240°C fallend auf 200°C ca. 60 Minuten mit Dampf backen. Klopfprobe! Die letzten Minuten außerhalb der Form backen für eine bessere Kruste.

Mittwoch, 16. August 2017

Überwindung: Oliven-Gnocchi mit confierten Kirschtomaten


Bekanntermaßen bin ich Team *Kalendersprüche* - was will ich machen? Dafür habe ich schlicht ein klebriges Gedächtnis. Lange habe ich ja von mir behauptet, dass man mich mit erlesenen Worten hinter jeden Busch gezogen bekommt. Keine Sorge, ich kann entwarnen: das hat sich mit dem Alter deutlich gebessert... Aber wenn ein Satz das Elaborat eines Gefühls oder einer Erkenntnis darstellt, dann entflammt meine Begeisterung bis heute lichterloh. Wie ein Weggefährte begleitet mich seit Jahren dieses Goethe Zitat:
*Von der Kraft, die alle Wesen bindet, befreit der Mensch sich, der sich überwindet*
Was in der Theorie als lässiger Zweizeiler daher kommt, ist in der Live-Performance ein unanmutiges Selbstmassaker. Um Goethe kreist ja der Mythos, dass er unter Höhenangst litt und deswegen an keinem Gerüst vorbei kam, ohne ein Mal hochzuklettern, sich oben kurz zu übergeben, um anschließen wieder runterzuklettern. Schock-Desensiblisierung oder so.

Gar nicht mal selten erlebe ich, dass mit Ängsten kokettiert wird. Warum? Ich weiß es nicht. Aber seit ich mich selbst an meinem eigenen Schlafittich aus meinem Angstthema zu ziehen versuche, empfinde ich das zunehmend als doof. Angst - so lange sie nicht als Warnsignal funktioniert - macht einen zum Klemmi, ist unnütz und schränkt ein. Auf meiner ersten Reise ganz alleine durch Asien verfolgten mich panische Phantasien, irgendwo könnte mir eine Vogelspinne oder deren Verwandte auflauern. Akribisch, fast schon authistisch, stopfte ich jede Nacht das Moskitonetz hermetisch unter meine Matratze. Worst case: nachts aufs Klo müssen. Mein lieber Henker, ich litt Höllenqualen. Was habe ich mir selbst Horror gemacht - ohne auch nur einer leibhaftigen Spinne zu begegnen! Alles Kopfkino! Schlimm.

Der Habib graut sich vor keinem Krabbelfüssler. Was kreucht und fleucht wirft er mit der bloßen Hand zurück in die Wildnis. Er ist meine idealste und zuverlässigste Antiterrorspinnentiergeheimwaffe. Nur: ich will ja selbst ein großes Mädchen sein. Also habe ich vorgestern mal wieder geübt. Eine vorpupertierende Kleinkellerspinne lief schon seit drei Tagen Slalom in der Badewanne. Ich nahm also ein Tuch - nee, anfassen iss nich - und schmiß sie vor die Haustür.

Äußerst selbstzufrieden schaute ich am nächsten Morgen in die vermeindlich leere Badewanne und starrte auf ein genmanipulierte XXL-Exemplar. Ich muß schon sagen, die da oben haben manchmal ein SEHR seltsames Verständnis von Humor. Örrrgs. Ich schluckte und schmiss herausgefordert den Kopf in den Nacken: Challenge angenommen. Vielleicht würde ich es mal mit der beliebten Glasvariante probieren. Es dauerte, bis ich das wirklich einwandfreie, perfekte Stück Papier zum Drunterschieben gefunden hatte. Dazu wählte ich das größte Trinkglas aus unserem Sortiment. Am Tatort stellte sich schnell raus, dass ich Riesen-Thekla damit trotzdem mindestens vier Unterschenkel amputieren würde. Doppel-Örrrgs...

Um Haaresbreite hätte ich meinen special agent hinzugezogen. Doch dann dachte ich an die ganz große Freiheit, öffnete vorausdenkend die Tür, schmiß ein Tuch über Frau Arachnida,  stopfte es vorsichtig ringsherum zu einer innen bespinnten Kugel und mit weit ausgestrecktem Arm lief ich nach draußen, wo ich mit spitzen Fingern das Tuch zur Entleerung schüttelte. Gut, ja, unbeeindruckt, souverän und routiniert geht nochmal anders, aber hey, ich habe es gewagt - das selten gezückte Wort. So leicht finden sich bis heute Nischen, um auch im Kleinen gute, alte Siegfried-Tugenden zu üben. Jeder hat einen Drachen...

Küchentechnisch gilt es hier dringlichst die Tomate abzufeiern. Es stapeln sich die einschlägigen Rezepte nur so in der Wartehalte. Aber man kommt ja vor lauter Selbstüberwindung zu nix. Heute erneut ein einfaches Rezept mit confierten Kirschtomaten - für mich einer der direktesten Wege in den Tomaten-Himmel! 

Zutaten:

75g Tapenade (grüne Olivenpaste)
200g Ziegenfrischkäse
1 Eigelb
75g Mehl (m: D 1050)
30g Parmesan, gerieben
Salz, Pfeffer 

500-600g Kirschtomaten
2-3 Knoblauchzehen
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
1 Bund Basilikum
Olivenöl

Parmesan

Zubereitung:

Ofen auf 150° Umluft vorheizen *

Die Kirschtomaten halbieren und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech mit der Schnittseite nach oben ausbreiten. Den Knoblauch fein hacken und über die Tomatenhälften streuen. Salzen, pfeffern und mit etwas Zucker würzen. 3/4 des Basilikums klein schneiden und ebenfalls über die Tomaten verteilen. GBroßzügig mit Olivenöl beträufeln und mindestens für eine Stunden in den Ofen schieben.

Aus den Gnocchi-Zutaten einen homogenen Teig kneten und auf einer bemehlten Arbeitsfläche zwei Rollen von etwa 2cm Dicke formen. Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und von den Rollen Stücke von etwa 1cm abschneiden. Wer mag formt die Gnocchi dekorativ in Olivenform (ich war zu hungrig). In das Wasser geben und warten bis sie aufsteigen. Warm stellen und zusammen mit den Kirschtomaten und frisch geriebenem Parmesan sowie dem restlichen Basilikum servieren.

*Anmerkung m: beim Confieren der Tomaten gilt: viel Zeit - dann 2 Stunden bei 120° rösten, wenig Zeit -  dann bei 180° - ca. 30-40min (mehr Geduld wie meist besseres Ergebnis)


Lust auf noch mehr Gnocchi-Rezepte? Da hätte ich ein ganzes Arsenal dazu im Angebot!

Samstag, 12. August 2017

Bises: Financiers mit Himmelbeeren


Zu einem der kleinen, kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich, den jeder kennt, zählen die bises, die kleinen Wangenküsschen zur Begrüßung. Das wußte ich selbstverständlich bereits, bevor ich nach Frankreich zog.

Nur etwas zu *wissen* und etwas zu *erleben* ist stets ein himmelweiter Unterschied. In der ersten Zeit kam es nicht selten vor, dass mir dieses Bises-Geben eine zarte, leicht peinlich berührte Röte ins Gesicht trieb. Aus dem einfachen Grund, weil in meinen *Ultra-Nahkampf-Bereich* seither nur auserwählte Menschen vordringen durften. Ihr wißt schon, dieses *Dirty-Dancing-Dingens*: Mein Tanzbereich - dein Tanzbereich. Die große Mehrheit hielt ich mir seither mit ausgestrecktem Arm auf Abstand und schüttelte höflich die Hand.

Dass hinter dem Austauschen der bises eine kleine Wissenschaft steckt, lernte ich zudem erst nach und nach. Wieviel bises gibt man? Voilà, damit fängt es schon an. In der Drôme etwa tauscht man drei aus, in Paris hingegen nur zwei. Und weiter gehts: welche Wange hält man zuerst hin, beziehungsweise küßt man, die rechte oder die linke? Küßt man wirklich oder haucht nur? Macht man dazu begleitende Geräusche oder nicht? Gibt man eigentlich jedem direkt bises oder wie gut sollte man sich kennen? Sehr ihr: SO einfach, wie es zuerst scheint, ist das ganze Unterfangen nicht.

Nicht zu vergessen, die damit einhergehende, französische Koketterie. *Oh la la... tu piques* echauffiert sie sich gerne, wenn er sich an ihrer zarten Wange mit seinem Drei-Tage-Bart reibt. Und dabei kann sich ihr Vortrag in alle Richtungen einfärben: von anzüglich flirtend bis ernsthaft rügend. Man berührt sich nun mal beim Bises-Geben auf dichte Nasendistanz, nimmt mit dem Gesicht des anderen Kontakt auf  und weiß anschließend, wie gut man sich riechen kann. Manchmal gar - in unangehnehmen Momenten - gedenke ich meiner Oma, die bei grausligen Begegnungen gerne meinte: *Also den halte ich mir mit der Bohnenstange vom Laib*. Umso schöner wird es mit Lieblingsmenschen, denen man mit schmatzenden Kussgeräuschen und einem GRAND bisou seine Zuneigung ins Ohr säuseln kann...

Neben Foto e Fornelli, New Kitch on the Blog und Low Budget Cooking schätze ich ebenso als weiterhin große Fundgrube den ruhig gewordenen Blog *fleur de Poirier* von Jenni. Jede Menge Rezepte habe ich mir seit langem notiert zum Nachmachen. Ihre Financiers - dieser fanzösische Klassiker - stehen schon lange auf meiner Liste. Nun wißt ihr, dass ich nicht der leidenschaftlichste Süßbäcker unter der Sonne Frankreichs bin. Daher fehlt natürlich eine Moule à financier in meinem Haushalt, ohne die es aber auch geht.

Ich half mir aus mit dieser Silikonform, mit der ich bereits das pain d' épice buk und einer weiteren Form aus Silikon für Muffins - darin brachte ich die Teigmenge perfekt unter. So zufrieden bin ich mit meinen unkomplizierten, daunig-zarten, saftig-buttrigen financiers - ich werde wohl kein weiteres Rezept ausprobieren. Und neben den Amarettini geben die herrlichen financiers nun meine liebste Eiweiß-Resteverwertung, die etwa bei einem Sablé breton anfallen oder eben wie gerade jetzt beim Eis-Herstellen.

Zutaten:

150g Butter, geschmolzen und gebräunt
5 Eiweiß (ca. 200g)
150g Zucker (m: Rohrzucker zu Staubzucker gemahlen)
1 Vanillestange, das Mark davon
60g Mehl, gesiebt
60g Mandeln, geschält und gemahlen
1/4 TL Salz

(optional: eine handvoll Himbeeren)

Zubereitung:

Die Butter schmelzen und leicht bräunen lassen. Zur Seite stellen und etwas abkühlen lassen. Die Eiweiß nur ganz kurz schlagen bis sie leicht schaumig und weiß sind  - wenn man sie zu lange schlägt, dann werden die Financiers nicht mehr locker aufgehen im Ofen.

Den Zucker und das Vanillemark zufügen und mit dem Eiweiß mischen, bis der Zucker völlig untergemischt ist. Die Butter durch ein Sieb geben, um die braunen Partikel auszusieben und sorgfältig mit der Zucker-Eiweiß-Mischung vermengen. Zuletzt Mehl, Salz und Mandeln komplett unter den Teig ziehen.

Den Ofen auf 220° (O/U-Hitze) vorheizen

In Formen füllen (m: Silikonformen) und 5min backen (je nach Größe der Form - meine waren größer als die typischen financiers-Formen, daher eher 7min backen). Dann den Ofen auf 165° runterstellen und weitere 5-8min backen (meine brauchten insgesamt fast 20min im Ofen) bis sie eine hellbraune, goldene Farbe angenommen haben.

Sonntag, 6. August 2017

Sag's mit Blumen: Spaghetti aglio olio - beinahe


Es geschah, als Maschentausendabertausendweit die Sterne ihre Kostbarkeit voller Strahl in Strahl verliebter Farben über uns ausbreiteten (Else-Lasker Schüler). Ganz am Anfang unserer Geschichte aber ganz am Ende eines Telefonats - wir hatten uns schon verabschiedet - warf mir der Habib noch einen Satz zu: *Überlege dir schon mal eine Blume!*.

Getrennt noch durch zwei Länder und viele Kilometer, wälzte ich mich im Bett mit der Ungeduld wie es nur ein schmachtendes Herz vermag. Eine Blume?! Wie schwierig war das! Und Himmel - wie symbolisch! Wie offenbarend! Welche Blume zu meiner Blume machen?

Umgehend zog ich gedanklich die Gärtnerschürze an und griff nach einem Schäufelchen. Es sollte nun weder zu sehr mit der Tür ins Haus fallen (Rose), noch zu landläufig sein (Sonnenblume/ Margarite) oder gar zu bescheiden am Boden kleben (Primel/ Veillchen). Auch Gladiolen schieden direkt aus - VIEL zu kapriziös!

Etwas wolkenweichzartes wie die Küchenschelle? Aber da störte mich der unpoetische Namen.  Kann man mit Lavendel etwas falsch machen? Nicht wirklich. Auch schön: Zinien - dieser Inbegriff der bunten Fröhlichkeit! Nur die Blütezeit könnte länger währen - ein einziger Sommer gleicht einer launigen Liaison! Zu kurz auch das schnelle Feuerwerk der Pfingstrose. Vielleicht eine Passionsblume? Doch so ohne einen Hauch von Duft. Ein Feuerdorn möglicherweise - ein lieblicher Rausch im Frühling und im Winter nährt er die Vögel. Aber er hat halt leider sehr spitze Dornen.

Hach, oder genau *Ist es Ein lebendig Wesen, das sich in sich selbst getrennt? Sind es zwei, die sich erlesen, daß man sie als Eines kennt?* (Goethe) Ich wähle den Gingko! Aber halt, ich ungestümes dummes Huhn,  er hatte ja *Blume* gesagt...

Astern? Dahlien? Rudbeckien? Sonnenhüte? Hortensien? 
Ein Sommerflieder, dieser Schmetterlingsmagnet? Also EINEN Sommerflieder braucht jeder Garten. Mindestens...

Oder eben doch eine Rose - eine Wildrose mit schönen Staubgefäßen, dann ists nicht ganz so auf die Zwölf. Oder eine Stockrose? Nun so ging das in meinem Kopf hin und her und her und hin in unzähligen Blütenkreisen... bis zum nächsten Tag, an dem sich der Habib die Antwort einholen wollte. Und eben als ich mich selbst von meiner eigenen Entscheidung überraschen lassen wollte, sprang mich seine eigentliche Intention an wie eine flauschige Katze mit gezückten Krallen. Er wollte mir einen Strauß zukommen lassen. *Fleurop*! S-C-H-N-I-T-T-B-L-U-M-E-N!!!!! 

Meine Empfehlung an euch: ihr habt Freunde mit Garten? Schenkt ihnen etwas Mehrjähriges mit Wurzeln für den Garten. Ich vergesse eher den botanischen Namen (etwa einer Rose) als den Überbringer dazu. Und wie oft denke ich an diese Menschen, wenn ich an ihren Blumengeschenken im Garten vorbeilaufe. Sie sind durch ihre Stellvertreter immer anwesend! Umgekehrt funktioniert es ebenso: wir trafen dieser Tage einen alten Freund des Habibs. *Also deine Rose*, meinte der Freund, *die wächst mittlerweile über das Haus, so sehr wuchert sie* - diese Rose war das Mitbringsel zu einer Essenseinladung vor über 20 Jahren... So etwas schafft zauberhaft-poetische Bande - da muß selbst Kitsch vor kuschen.

Und für *Einträge* in das Buddenbohmschen Gartenalbum gilt es, logo, abzuwarten, bis der Bagger durch ist, aber dann...! 


Es gibt kein Grund, sich eine Fertigpizza in den Ofen zu schieben, wenn man sich ebensogut Spaghetti aglio olio zubereiten kann - meinte so ähnlich der Herr Paulsen. Ganz mit ihm. Und weil ich uns frische Pasta mit zwei Handgriffen und einer Drehung der Hüfte zubereite, gibt es hier die Premium-Ausgabe dieses Gerichts - angereichtert mit ein paar konfierten Kirschtomaten und etwas gehobeltem Parmesan. So schön, so unkompliziert kann hitziges kochen sein.

Zutaten 2P*:

Spaghetti
mit einer ordentlichen Dosis Chili-Flocken

500g Kirschtomaten
2-3 Knoblauchzehen, fein gehakt
Salz, Pfeffer
etwas Rohrzucker
Thymian
Olivenöl

parfümiertes Öl der Wahl*
fleur de sel
frisch gehobbelter Parmesan

Zubereitung:

Die Zutaten für den Pastateig homogen und sorgfältig verkneten, in Folie wickeln und mindestens 1 Stunde kalt ruhen lassen. Wie hier beschrieben den Teig auswellen, schneiden und abdecken.

Den Ofen auf 160° Umluft stellen.

Die Kirschtomaten halbieren, überstreuen mit Knoblauch und Thymian, ebenso mit Salz, Pfeffer und etwas Zucker. Nicht zu sparsam mit Olivenöl beträufeln und für etwa 45min in den Ofen schieben.

Die Spaghetti in reichlich Salzwasser al dente kochen, abschütten, direkt mit den Kirschtomaten vermengen und mit fleur de sel, einem feinen Öl der Wahl und Parmesan anreichern.

*Anmerkung m: Ich gab uns sowohl etwas Basilikum-Öl wie den Rest des Öls von eingelegten Tomaten zu den Spaghetti. Herrlich ebenso: Chili-Öl oder Zitronenöl... je nach Lust und Geschmack

Mittwoch, 2. August 2017

Sonnenflecken: Shashuka II

Unterwegs, auf den Straßen wie überhaupt, ist gerade Vorsicht geboten. Es hat Sonnenflecken. Immer wenn es ZU lange ZU heiß ist. 

Während der Nachmittag flimmernd alle lethargisch in die Bewegungslosigkeit drückt, wird mit Sonnenuntergang das Gaspedal durchgetreten. Alle zurückgehaltende, runtergeköchelte Energie wird in eines gelegt: ins Trinken. Und der Tag hat Durst gemacht. Großen Durst. Leicht bekleidet wird bis in tiefste Dunkelheit ein Glas nach dem anderen geleert (ungebremst till Brooklyn). Wenn nicht zuhause, dann auf einem der unzähligen Festchen allerortens. Frivol und leichtsinnig als gäbe es kein Morgen. Das sind diese Art von Nächte, von denen man im Winter wieder träumt.... wann, wenn nicht jetzt...

Und unausgeschlafen, verkatert, arbeitsscheu und schwitzend spinnen tagsüber quasi gerade alle. Sonnenflecken eben.

Auch ich lasse mich nur zu Arbeiten hinreißen, die absolut nicht zu vermeiden sind. Alles läuft auf 0,5 Volt im Energiesparmodus. Kochen auch. So entsann ich mich der schönen, schlichten Shashuka, die ich bei Kitchen Impossible gesehen habe. Ein lächerlich einfaches Gericht: Tomate mit Ei in einer Pfanne auf heißer Flamme gegart. Von dem Besitzer des gleichnamigen Restaurants in Tel Aviv grandios aus der Lameng geschüttelt: zuletzt wird lässig mit dem Holzlöffelstiel durch das Eiweiß gekurvt. Habe ich genau so nachgemacht. Ein Stück Baguette dazu - oder whatever -  und fertig. Turbo-Sommergartenküche at its best!
Zutaten:

1 kg Tomaten
1 Zwiebel
3 Zehe Knoblauch, fein gehackt
1 Paprikaschote in Streifen geschnitten
1 TL Sumac
1 TL Kreuzkümmel
1 TL Paprika edelsüß
Salz
1 Pr Zucker
Pfeffer
4 Eier
1/2 Bund Basilikum (oder Petersilie)
3-4 EL Olivenöl

Zubereitung:

Die Tomaten überbrühen und häuten (kann man sich schenken, aber ich mag die Tomaten lieber ohne), Strunk entfernen und in mittlere Würfel schneiden. Zwiebel schälen, halbieren und in feine Streifen schneiden. Paprika mit dem Sparschäler häuten (kann man sich ebenfalls schenken, aber Paprika ist so besser zu verdauen) und ebenfalls in Streifen schneiden. Knoblauch fein hacken.

In heißer Flamme die Zwiebeln in dem Olivenöl leicht Farbe annehmen lassen, dann die Paprika zufügen und weitere 3min wenden. Dann die Gewürze kurz mitrösten, um schließlich die Tomatenwürfel unterzumischen. Nun bei lebendiger Hitze das Gemüse schlonzig einköcheln lassen - dauert etwa 8min. Die Eier nacheinander in die Tomaten reinschlagen und mit dem Kochlöffelstiel derart Kreise durch das Eiweiß ziehen, so dass die Eigelb dabei nicht verletzt werden. Von der Hitze ziehen, wenn das Eiweiß gar ist und das Eigelb noch flüssig. Mit frischen Kräutern der Wahl (Petersilie oder Basilikum) bestreuen und mit Brot der Wahl servieren.

Anmerkung m: Chachuka gibts hier bereits sehr ähnlich - diese Zubereitungsweise hat aber die Nase vorn
so ähnlich gesehen beim Feinschmeckerle

Sonntag, 30. Juli 2017

Anspruch: Zucchini-Tarte mit Yufka und Pfirsich-Vereine-Kompott


*Es mangel nicht an Liebe auf der Welt, es mangelt an einem erfüllbaren Anspruch an die Liebe* zitiert Elke Heidenreich einen Freund von sich. Und ich glaube, diese Aussage kann man auf das ganze Leben ausdehnen. Warum immer nach den Spitzen greifen wollen, dem Einzigartigen und Besonderen, Außergewöhnlichen? Warum so sehr streben nach höher, schneller, weiter, größer, besser, schöner - diesem ewig kapitalistischen Prinzip. Gut reicht nie aus. Alles muß wachsen bis ins Wuchernde.

Das erste, was mir unsere Art des Reisens beigebracht hat, das ist  *Anspruch* von *Bedürfnis* auseinander halten zu können.

Denn spätetens in der dritten Woche unterwegs bin ich wieder runtergeköchelt und es zählen eine handvoll Dinge, die mein Universum zu einem kugelrunden Planeten machen: ein schmerzfreier Körper, saubere Anziehsachen, ein gefülltes Bäuchchen, ein anständiges Klo, eine geregelte Verdauung und eine kuschelige Schlafmöglichkeit. Ist das alles gegeben, dann jammert nur, wer schlechte Laune verbreiten will. *Bedürfnis* definiere ich leichterdings als all das, was für mich existenziell wichtig ist. Dazu findet sich das ein oder andere Goodie von ganz alleine.

Nur habe ich mich ja schon oft gefragt: ist die Spezies Mensch denn überhaupt gemacht für Harmonie, Zufriedenheit und Ruhe? Hält sie das denn aus? Und will sie das überhaupt?

»Kuhglück«, sagte Graeber, »wer will das haben?«
»Ich weiß nicht, ich glaube, ich könnte schon eine ganze Menge davon für längere Zeit aushalten.«
»Ich auch. Ich will es nur nicht zugeben, weil wir es vorläufig nicht haben können.«
»Zehn Jahre sicheres, gutes, einförmiges, bürgerliches Kuhglück - ich glaube sogar, ein ganzes Dasein voll damit wäre nicht zuviel.«
(Zeit zu leben und Zeit zu sterben - Erich Maria Remarque)

In meiner Gartenküche macht gerade die Einfachheit sowie die wiederkehrende Ernte den Reiz erst aus. Gut schlichte Zutaten unkompiziert verarbeitet zu einem entspannten Essen - c'est tout! Im Falle dieser Tarte kommt noch eine alte Liebe hinzu: Obst zu herzhaften Gerichten.

Zutaten - Tarte von 24cm Durchmesser 2/3P:

5 Yufka-Blätter (quadratisch 40cm Länge)
2 kleine Zucchini (ca. 350g), grob geraspelt
3 Eier
200g Ziegenfrischkäse
50g Crème fraîche
1 Bund Basilikum
3-4 junge Blätter Mangold
Bergkäse, gewürfelt (m:
3 EL Semmelbrösel
1/4 TL Kurkuma
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
ca. 30g Butter, flüssig

1 1/2-2 gelbe Pfirsiche
6-8 Blätter Verveine
1-2 EL Zitronensaft
ca- 1 EL Zucker (m: Gelierzucker)

Zubereitung:

Den Stielkopf der Zucchini entfernen, grob raspeln, etwas salzen (ca. 1/2 TL), vermengen und ca. 10-15min Wasser ziehen lassen. In einem Sieb gut ausdrücken.

Den Ofen auf 180° Umluft vorheizen.

Die Basilikumblätter vom Stiel rupfen und zusammen mit den Ziegenkäse, der Crème und den Eiern pürieren. Den Mangold in dünne Steifen schneiden.

Zucchini mit Mangold und der Crème vermengen, würzen mit Kurkuma und Piment. Den gewürfelten Käse untermengen.

In die Tarteform ein Blatt Yufka einlegen, mit Butter bepinseln, das nächste darüber legen, wieder mit Butter bepinseln bis alle Blätter in die Form geschichtet sind - sollten die Ecken zusehr rauslappen, die Spitzen etwas nach innen klappen. Die Füllung auf die Yufkablätter geben, glatt streichen und für ca. 30-35min backen.

Währenddessen für das Kompott den Pfirsich in kleine Würfel, den Verveine in feine Streifen. Den Zucker zufügen und den Zitronensaft und bei kleiner Hitze ca. 10 einköcheln lassen. Pürieren.

Inspiration: Tim Mälzer
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